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Bingenheimer Saatgut AG - Teil eines Netzwerkes


 
Team der Bingenheimer Saatgut AG
Das Team in Bingenheim, Sommer 2011

 


 

Wie alles begann: der Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau 

 
 

Netzwerk: Initiativkreis

Eine Gruppe aufgeschlossener und engagierter Demeter - Gärtner und Gärtnerinnen hatte schon in den 80er Jahren erkannt, dass die Saatgutfrage zu einer Schlüsselfrage des Ökolandbaus werden würde. Das rapide Verschwinden samenfester Sorten sowie der Einsatz ungewollter Züchtungstechniken stellten nach Ansicht der ersten Mitglieder des „Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau“ die Grundlagen der biologischen Gemüseerzeugung in Frage. Ihr Hauptanliegen war zunächst, samenfeste Sorten aus eigener biologischer und biologisch-dynamischer Vermehrung zu erzeugen. Eine große Aufgabe, denn das Wissen über Saatgutvermehrung im Gemüsebau und speziell unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus war kaum vorhanden.
Der Erfahrungsaustausch im Rahmen der Initiativkreistreffen war und ist bis heute daher ein wichtiger Bestandteil des Netzwerkes. Ab 1990 übernahm die Allerleirauh GmbH (Vertrieb der Bingenheimer Werkstätten) den Saatgutvertrieb. 2001 wurden schließlich alle Saatgutaktivitäten von der Allerleirauh GmbH an die neugegründete Bingenheimer Saatgut AG übertragen.

 

Teil eines partnerschaftlichen Wirtschaftsverbundes - kein Saatgutkonzern

Die Bingenheimer Saatgut AG pflegt eine besonders intensive Beziehung zu den Saatgutvermehrern, die im Initiativkreis zusammengeschlossen sind. Diese Beziehung ist ein Grundstein für das Gelingen unserer Arbeit. Sich als Wirtschaftspartner füreinander Zeit nehmen, Assoziation der Sache und nicht des finanziellen Gewinn willens schließen, erfordert von den Beteiligten immer aufs Neue einen besonderen Einsatz. Dies gelingt nur auf der Basis von Transparenz und Vertrauen. Bei den zweimal im Jahr stattfindenden Initiativkreistreffen wird die Basis für dieses Vertrauen geschaffen.

 Initiativkreistreffen bei der Sativa Rheinau in Schweiz 2011


    
Meilensteine der Entwicklung
 




 

Die Gründung der Aktiengesellschaft: dynamische Weiterentwicklung

 

Als die Bingenheimer Saatgut AG im Jahre 2001 als Aktiengesellschaft gegründet wurde, stellten die Gründer die neue Aktiengesellschaft ganz in die Tradition der bereits begonnenen Arbeit. Aus diesem Selbstverständnis heraus ergeben sich bis heute die wesentlichen Grundsätze der Firma. So handelt die Bingenheimer Saatgut AG ausschließlich mit ökologischem Saat- und Pflanzgut. Wir handeln nur samenfeste Sorten und bieten bewusst kein Hybridsaatgut. 


Die Präambel der Aktiengesellschaft 

 

Die Aktionäre

Neben der Software AG Stiftung sind die Lebensgemeinschaft Bingenheim, Saatgutlieferanten und Kunden sowie befreundete Institutionen im Kreis der Aktionäre. Ziel ist es, alle am Produktions- und Verbrauchsprozess beteiligten Gruppen einzubinden. So soll sichergestellt werden, dass die Firma langfristig an den Bedürfnissen der Saatguterzeuger und Nutzer des Saatgutes ausgerichtet werden kann. Die Beteiligung aller Gruppen hat einen weiteren Vorteil: die Diskussion mit Aktionären ist wie eine kleine Marktforschung, denn ein Aktionär, der auch Kunde oder Lieferant ist, kann Gesichtspunkte aus den Bedürfnissen der Marktpartner einbringen. So können sehr frühzeitig Aspekte der Kunden oder Lieferanten in die Unternehmensführung einfließen.

 

 

Weiterentwicklung der sozialen Wirtschaftsformen

Die gegenseitige Wahrnehmung und Transparenz in den geschäftlichen Beziehungen sind eine Voraussetzung für soziale Wirtschaftsformen. Aspekte sind zum Beispiel partnerschaftliche Bezahlungsformen und die Pflege langfristiger Zusammenarbeit. Unseren Kunden gegenüber wollen wir fair informieren und sie nicht zum Kauf überreden. Eine weitere Aufgabe der Bingenheimer Saatgut AG ist es, zwischen den Möglichkeiten und Grenzen der Züchtung, der Saatguterzeugung und den Bedürfnissen der Saatgutverwender zu vermitteln. Die Besitzverhältnisse der Aktiengesellschaft zeugen ebenfalls von „anderen Wegen“: es werden nur vinkulierte Namensaktien herausgegeben, d.h. die Aktien lauten auf den Namen des Käufers. Somit ist jeder Aktionär der Gesellschaft bekannt. Die Geschäftsführung und die Aktionäre legen Wert darauf, dass sich neue Aktionäre mit der ökologischen Saatgutarbeit inhaltlich verbinden. Eine möglichst hohe Dividende zu erhalten ist nicht das Ziel eines Engagements bei der Bingenheimer Saatgut AG. Die erzielten Erträge der Aktiengesellschaft werden in der Regel wieder reinvestiert; so soll die Geschäftstätigkeit stetig weiter wachsen.

 

 


 

Aus der Arbeit von Kultursaat e.V. - Sorten sind Kulturgut



Logo Kultursaat e.V.Kultursaat e.V.
 

 

Ein gemeinnütziger Verein ist der Schlüssel für eine zeitgemäße Alternative in der Pflanzenzüchtung

Neben der grundlegenden Arbeit der Saatgutvermehrung wurde bald klar, dass die Züchtung neuer Sorten speziell für den Öko- Landbau der nächste Schritt sein musste. So wurde 1994 aus der Mitte des Initiativkreises der Verein Kultursaat e.V. gegründet. Viele Mitglieder des Initiativkreises sind Vereinsmitglieder geworden – einige züchten im Rahmen ihres gärtnerischen Betriebes aktiv, andere haben sich ganz auf die Saatgutvermehrung konzentriert und unterstützen den Verein als passives Mitglied. Die Arbeit von Kultursaat e.V. ist inzwischen sehr vielfältig: Sortenentwicklung, Sortenerhaltung, Züchtungsforschung und Öffentlichkeitsarbeit erfordern viel Aufmerksamkeit. Ganz im Gegensatz zur heute von weltweit agierenden Unternehmen angestrebten „Biopatentierung²“ legt der Verein Wert auf eine Betrachtung und Behandlung der Sorten als schützenswertes Gut der Menschheit. Einen privatwirtschaftlichen Besitz an Sorten und/oder DNA-Sequenzen lehnt er konsequent ab.

Kommunikationsprojekte

Der Verein Kultursaat e.V. bemüht sich in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern um umfassende Information rund um das Thema ökologische Züchtung. Zwei Projekte – für die Mitmachende gesucht werden - werden im Folgenden vorgestellt:

 
Fair-Breeding

Fair-Breeding ist ein Partnerschaftskonzept mit Naturata International-Gemeinsam Handeln e.V.. Seit 2008 unterstützen Naturata-Naturkostfachgeschäfte Kultursaat bei der Entwicklung neuer, geschmackvoller und qualitativ hochwertiger Gemüsesorten. Sie geben zehn Jahre lang 0,3 % ihres Obst- und Gemüseumsatzes für die biologisch-dynamische Gemüsezüchtung an den Verein. Beweggrund der Kooperation ist unter anderem die Sorge um die Qualität: „Wenn wir in Zukunft weiterhin und zunehmend qualitativ hochwertiges Gemüse verkaufen wollen, müssen wir uns jetzt um eine entsprechende Pflanzenzüchtung bemühen“, erklärte Naturata- Vorstand Heinz Knauss anlässlich der zweiten Scheckübergabe auf der BioFach 2009. „Diese Tatsache veranlasst uns, diese einzigartige Kooperation mit den biologisch-dynamischen Gemüsezüchtern einzugehen. Das Projekt ist aus der Erkenntnis entstanden, dass auch die Pflanzenzüchtung Teil der Wertschöpfungskette ist“.

 

Ausführliche Darstellungen über das Projekt FAIR-BREEDING finden Sie hier.



Gemüse mit Charakter Das Projekt Gemüse mit Charakter wendet sich an GärtnerInnen, die Ihren Endkunden sortenspezifische Informationen zur Verfügung stellen wollen.  Die kleinen Hefte und Plakate veranschaulichen auf verständlicher Weise den Sortennamen und die spezifischen Sorteneigenschaften. Insbesondere für Hoffeste eignet sich das Thema. Die Sortenwahl ist ein wichtiger Baustein einer qualitätsorientierten Wirtschaftsweise. Interessierten KundInnen kann mit dieser Fragestellung die Einzigartigkeit des Fachhandels erläutert werden. Bestellungen der Informationsmaterialien über den Katalog, per E-Mail oder rufen Sie uns an. 

Hier kommen Sie direkt zu den "Gemüse mit Charakter"-Sorten







 

 



 

Aus der aktuellen Arbeit


Sortimentsentwicklung

Die Erweiterung unseres Sortiments ist eine kontinuierliche und anspruchsvolle Aufgabe. Bevor eine Sorte ins Sortiment aufgenommen wird, muss sie an verschiedenen Standorten in Deutschland getestet worden sein. In den Fällen, in denen die Sorten regional unterschiedliche Ergebnisse zeigen, ist dies in der Sortenbeschreibung angegeben. Der Praxistest ist für uns das wichtigste Kriterium für die Sortenaufnahme. Genauso wichtig sind die Erfahrungen der Kunden: bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit, damit wir diese an andere Kunden weitergeben und so jeweils die richtige Sorte für den entsprechenden Standort und Nutzungsbereich empfehlen können.

 

Extra-süßer Zuckermais
Neben den Neuzüchtungen, die aus der Arbeit der ZüchterInnen bei Kultursaat e.V. entstehen, bieten wir Ihnen auch gute samenfeste Sorten von Züchtungsfirmen an. Leider dreht sich das Sorten-Karussell bei diesen Firmen so schnell, dass der Zukauf immer das Risiko birgt, eine Sorte auch wieder aus dem Programm streichen zu müssen.
Immer wieder fragen uns Kunden, ob wir nicht die eine oder andere Sorte, die eine andere Saatgutfirma aus dem Programm gestrichen hat, aufnehmen können. Der erste Schritt ist in einem solchen Fall die Prüfung der Sortenrechte und Kontakt zur Züchterfirma. Wenn keine rechtlichen Bedenken sind, wird die Sorte in unserem Vergleichsanbau und auf Betrieben des Initiativkreises getestet. Wenn sich dabei die Empfehlung bestätigt, bauen wir mit einem Betrieb des Initiativkreises eine eigene Erhaltungszucht und Vermehrung auf.
Für geschützte Sorten, die Mitglieder des Initiativkreises im Auftrag der Bingenheimer Saatgut AG vermehren, zahlt die Bingenheimer Saatgut AG an die Züchterfirma eine Lizenz. Die Lizenzzahlung leistet einen Beitrag zum Erhalt der Sorte und zur Refianzierung der Züchtung. Auch für Sorten des Vereins Kultursaat e.V. zahlt die AG Lizenzen. Um die Zielsetzung dieser Zahlung besser deutlich zu machen, nennen wir diese Lizenz auch Sortenentwicklungsbeitrag. Mit diesem Beitrag kann die Erhaltungszucht einer bestehenden Sorte und die Neuzüchtung weiterer Sorten finanziert werden. Diese Zahlungen berücksichtigen wir bei der Kalkulation des Saatgutpreises. Die SaatgutverwenderInnen beteiligen sich so durch den Kauf der Sorten an deren Erhalt und an der Entwicklung neuer biologisch-dynamischer Sorten.

 

Drei Sortentage - Prüfungen auf dem Weg zu einem samenfesten Sortiment für den Erwebsanbau

Die schwierigsten Prüfungen sind die des Lebens, nicht die Prüfungen in der Schule oder an der Universität. Ein wenig ist es auch so für Sorten: das Bestehen der Prüfung im Versuchsanbau reicht noch nicht, auch nicht die Registerprüfung beim Bundessortenamt; erst wenn eine Sorte im Erwerbsanbau überzeugt, hat sie „bestanden“. Im Jahr 2011 haben die Bingenheimer Saatgut AG und der Verein Kultursaat e. V. drei Sortentage in Zusammenarbeit mit Anbaubetrieben durchgeführt. Die Sorten werden unter Praxisbedingungen angebaut und mit anderen Sorten verglichen. Herzlich bedanken möchten wir uns bei unseren Gastgebern:


Gut WulfsdorfDemeter – Gärtnerei Gut Wulfsdorf, in Ahrensburg bei Hamburg: Mehr als 80 Gäste begutachteten Ende Juli die Bestände
auf den Feldern. Die Kultursaatzüchterin Christina Henatsch erläuterte ihre Arbeit und die Vorteile der onfarm-Züchtung.










Rote Rübe - Schwarzer Rettich

Bioland - Gärtnerei „Rote Rübe, Schwarzer Rettich“ Rittmarshausen bei Göttingen: Bei hochsommerlichen 32 Grad informierten sich Ende August gut 45 GärtnerInnen auf dem Betrieb „Rote Rübe Schwarzer Rettich“ bei Göttingen über den Anbau verschiedenster samenfester Sorten. In den Diskussionen wurde deutlich, dass der Vermarktungsweg bei der Sortenwahl entscheidend ist. Insbesondere in der Direktvermarktung, in Abo-Kisten oder bei der Direktbelieferung von Naturkostläden sind Sorten mit herausragendem Geschmack und biodynamische Züchtungen von Kultursaat e. V. – eben „Gemüse mit Charakter“ gefragt. Erfreulich ist, dass von Seiten des Großhandels eine zunehmende Offenheit für die Sortenvermarktung vorhanden ist. Ein Ratschlag des Gemüseeinkäufers des Großhändlers Naturkost Elkershausen Lance Sidio beim Sortentag: „Wenn Sie als Gärtner samenfeste Sorten anbieten – weisen Sie den Großhandel ausdrücklich darauf hin – eine intensive Kommunikation bringt alle Seiten weiter.“



Obergrashof

Demeter – Gärtnerei Obergrashof, Dachau bei München: Der Obergrashof ist zugleich Züchtungsstandort des Vereins Kultursaat e. V., ein Schwerpunkt bildet der Anbau von Kohlrabi und Blumenkohl. Eine gute Gelegenheit für eine intensive Diskussion über die cms-Problematik und die neuen (und alten) samenfesten Sorten im Sortiment der  Bingenheimer Saatgut AG.






Erwerbs GartenbauberaterDie gut besuchten Veranstaltungen und die rege Diskussionen motivieren uns auch im Jahr 2012 wieder Sortentage anzubieten. Bitte beachten Sie unsere aktuellen Informationen auf unserer Website unter Aktuelles.


Wenn Sie neue Sorten ausprobieren möchten, fragen Sie nach unseren detaillierten Anbauempfehlungen oder kontaktieren Sie unsere Anbauberater Jörg Schlösser und Klaus Kopp.


 





Quality of limits – Qualitätssteigerung durch Grenzen

Die Anforderungen an den Ökolandbau sind in den letzten Jahrzehnten extrem gestiegen. „Eine Ökomöhre muss heute nicht nur mit ‘inneren‘ Werten wie z. B. Geschmack überzeugen, sie muss auch mindestens so gut aussehen, gleichmäßig wachsen und einen hohen Ertrag bringen, um auf dem Markt angenommen zu werden“ sind sich die Erwerbsgartenbauberater der Bingenheimer Saatgut AG, Klaus Kopp und Jörg Schlösser einig.


Die hohen Anforderungen des Handels haben in der konventionellen Züchtung dazu geführt, dass sich die Hybridsorten durchgesetzt haben. Dadurch hat sich die Züchtung immer weiter ins Labor verlagert, denn nur so können Hybridsorten entwickelt werden, die hochertragreich und uniform sind. Da die Kosten für die „Laborzüchtung“ sehr hoch sind, müssen konventionelle Züchterfirmen verhindern, dass die Sorten von anderen Züchterfirmen verwendet oder gar nachgebaut werden – ein weiterer wichtiger Grund, weshalb Hybridsorten seit Jahren auf dem Vormarsch sind. Auch wenn die Nachbaufähigkeit von Gemüsesorten in Mitteleuropa zunächst keine Rolle spielt (Saatgut kann ja problemlos jederzeit und überall gekauft werden), verbergen sich dahinter doch verschiedene Probleme. Es ist zu vermuten, dass sich die „Nicht-Nachbaufähigkeit“ negativ auf die subtilen Qualitätsmerkmale wie Reife- und Ernährungsqualität auswirken.Zudem wird bei weiter voranschreitender Konzentration auf dem Saatgutmarkt eine unabhängige oder eigenständige Züchtung z. B. für den Ökolandbau unmöglich gemacht. In Ländern des Südens kommt hinzu, dass die Saatgutpreise (insbesondere für die Hybridsorten) im Verhältnis zu anderen Kosten sehr hoch sind. Nachbaufähigkeit von Sorten kann dann zur Existenzfrage werden.


Wer sich für samenfeste Sorten entscheidet, geht einen anderen Weg. So haben sich auch die Kultursaat-ZüchterInnen für diesen anderen Weg entschieden: das Ziel ihrer Arbeit sind immer samenfeste Sorten. Die Züchtung findet auf dem Feld statt, unter biodynamischen Bedingungen. Auf der Grundlage einer wesensgemäßen Pflanzenzüchtung entstehen so neue Sorten mit besonderen Qualitäten. Biodynamische, samenfeste Neuzüchtungen zeichnen sich aus durch:

· eine hohe Ernährungsqualität und guten Geschmack

· verbesserte Prozessqualität (nämlich die konsequente Fortführung der Prinzipen des biodynamischen Anbaus bis zur Züchtung)

· die Sortenrechte werden von einem gemeinnützigen Verein gehalten – dies soll der Überzeugung Ausdruck verleihen: Sorten sind Kulturgut


Es zeigt sich, dass durch die Einhaltung bestimmter Grenzen (z.B. keine Laborzüchtung) keine Verluste sondern im Gegenteil, eine Qualitätssteigerung entstehen kann. Eine Erfahrung die grundlegend für den ökologischen Landbau ist. Im Vergleich zum konventionellen Anbau verzichtet der Ökolandwirt z. B. auf chemische Pflanzenschutzmittel – hier wird eine selbstgesetzte Grenze des eigenen Handelns akzeptiert. Dies führt zu einer Verbesserung der Produktqualität (keine Pflanzenschutzmittelrückstände aus Anwendungen am Produkt) und der Prozessqualität zu Gunsten von Natur- und Umwelt (mehr Wildkräuter, keine Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser, insgesamt Energie- und Ressourcen schonende Erzeugung).


„Klasse statt Masse“ – eine vereinfachte Botschaft, die in vielen Zusammenhängen verwendet wird. Die Aussage kann zum Teil auch auf die Pflanzenzüchtung übertragen werden. Die Steigerung von Produkt- und Prozessqualität führt häufig zu geringeren Massenerträgen, d.h., der Ertrag gemessen in Kilogramm und Stück ist geringer. In solchen Fällen müssten Modelle entwickelt werden, die es erlauben die Qualitätssteigerungen, die durch den Anbau samenfester Sorten / biodynamischer Züchtungen entstehen können, den Kunden zu vermitteln und dem Anbauer die Qualitätssteigerung zu bezahlen.



Neue Blumenkohlsorten im Sortiment

Rene Groenen, Saatgutvermehrer und Kultursaat-Züchter begutachtet Samenträger der Sorte White Ball Die Blumenkohlsorten White Ball und White Rock sind neu in unserem Angebot. Beides sind bekannte samenfeste Sorten, von denen aber leider kein Saatgut mehr angeboten wurde – ein echter Verlust angesichts des Vormarsches von immer mehr cms-Hybriden. Im Rahmen des Projektes FAIR-BREEDING entstehen neue biodynamische samenfeste Sorten – bis dahin wollen wir bewährte samenfeste Sorten anbieten – ein Anfang ist gemacht!








 

Samenfeste Sorten im Naturkosthandel immer mehr nachgefragt

In den letzten Jahren ist die Sortenfrage in der Naturkostbranche verstärkt diskutiert worden. Wir unterstützen Handel und Anbauer durch sortenspezifi sche Informationen, Vorträge und Schulungen bei uns in Bingenheim. Wir werden immer wieder nach einer prägnanten Argumentationshilfe gefragt. Die wichtigsten Gründe, die aus unserer Sicht für die verstärkte Verwendung samenfester Sorten sprechen, sind hier zusammengefasst.

Sozioökonomische Aspekte: Samenfeste Sorten können – im Gegensatz zu Hybriden – mit stabilem Sortenbild (ohne Aufspaltung) weiter vermehrt werden. Sie sind in der Lage, fruchtbare Samen zu bilden, wie es von Natur aus veranlagt ist. Insofern sind samenfeste Sorten das Bindeglied der Kulturpflanzenentwicklung aus der Vergangenheit in die Zukunft und Sinnbild nachhaltigen Wirtschaftens. Samenfeste Sorten sind für bäuerliche Erhaltung (on-farm) sowie die Weiterzüchtung bestens geeignet. Aus ihnen können wiederum direkt neue Sorten entwickelt werden. Im Gegensatz dazu ist bei Hybriden eine Weiterentwicklung nur indirekt möglich, denn hier sind die Elternlinien im Privatbesitz der Züchterfirmen. Erst durch langjährigen Nachbau ist unter Umständen eine Neuentwicklung von Sorten wieder möglich. Durch den Einsatz kritisch einzustufender Labortechniken sind sogenannte moderne Hybridsorten mittlerweile häufig pollensteril (sogenannte cytoplasmatische Sterilität, cms); damit ist eine Weiterentwicklung aus ihnen ausgeschlossen. Dies wirkt wie ein eingebautes Patent, das Nachbau zu 100 % verhindert.

Ethische Aspekte: Samenfeste Sorten werden in der Regel unter Berücksichtigung der natürlichen Befruchtungsverhältnisse der Pflanzen entwickelt (Ausnahmen gibt es bei Selbstbefruchtern wie zum Beispiel den Salaten. Hier sind die Sorten gewöhnlich samenfest, doch um bestimmte Resistenzen in die Sorten einzubringen, kommen in der konventionellen Züchtung häufig biotechnologische Verfahren zur Anwendung). Bei neueren Hybridsorten werden oftmals chemisch unterstützte, biotechnologische Verfahren eingesetzt, die einen extremen Eingriff in das Leben und die Fortpflanzungsfähigkeit der Pflanzen darstellen. Der derzeit massivste Eingriff liegt bei sogenannten cms-Hybriden (siehe oben) vor: hier wird Ausbildung fertiler (=fruchtbarer) Pollen verhindert. Wenn man auch Pflanzen eine Würde zuspricht, ist ein solch massiver Eingriff in die Fortpflanzungsfähigkeit ethisch höchst fragwürdig.

Aspekt der genetischen Vielfalt: Samenfeste Sorten haben eine breite genetische Basis, und diese geben sie an die nächste Pflanzengeneration weiter. Sie stehen damit in einem evolutionären Strom. Dies steht im Gegensatz zu Hybridsorten, hier beruhen verschiedene Sorten häufi g auf sehr ähnlichen oder gar denselben Elternlinien, d.h. die Sortenvielzahl ist genetisch gesehen eine „Scheinvielfalt“. Darüber hinaus lagern die staatlichen Genbanken keine Saatgut-Muster von Hybriden ein, sie tragen also nicht zum Erhalt des gemeinsamen Kulturerbes bei.

Qualitätsaspekte: Nach unserer Überzeugung führen diverse Verfahren innerhalb der Hybridzüchtung wie z.B. Inzucht sowie die Nicht-Nachbaufähigkeit (insbesondere die Pollensterilität) zu Verlusten bei den subtileren Eigenschaften der Reife- und Ernährungsqualität bei den Hybridsorten. Samenfeste Sorten dagegen sind „natürlich vollständig“ – und daher für eine umfassende Ernährung des Menschen besser geeignet. Biodynamische Züchter und Qualitätsforscher belegen dies mit spezifischen Untersuchungsmethoden.

Prozessqualität: Das prozessorientierte Qualitätsverständnis im ökologischen Landbau geht über die Betrachtung von Endproduktmerkmalen hinaus. Sorten bzw. Saatgut sind der Ausgangspunkt im Prozess des Anbaus von Pflanzen und daher von entscheidender Bedeutung für die Prozessqualität. Sorten, die unter konventionellen Bedingungen gezüchtet wurden oder konventionelles Saatgut sind keine nachhaltige Grundlage für einen zukunftsweisenden Ökolandbau. Erst mit einer Sortenentwicklung unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus und durch die Verwendung ökologischen Saatguts wird der Prozess der Pflanzenproduktion konsequent ökologisch.

 

Hybridsorten erkennen

Gemäß dem Saatgutverkehrsgesetz müssen Hybridsorten mit dem Zusatz F1 gekennzeichnet werden. Dies gilt auch für Saatgutkleinverpackungen. Für die Vermarktung von Gemüse gilt dieses Gesetz jedoch nicht. Hier können Vermarkter auch andere Bezeichnungen einsetzen (Trademark).


Gemeinsam auf dem Weg

So einleuchtend die Argumente für die Verwendung samenfester Sorten im ökologischen Anbau sind, so schwierig ist oftmals die Umsetzung. Noch fehlen für viele Arten geeignete samenfeste Sorten. Konventionelle Züchterfirmen setzen seit über 40 Jahren auf Hybridsorten – hier findet sich der konventionelle Züchtungsfortschritt – samenfeste Sorten wurden vernachlässigt. Gleichzeitig sind die Anforderungen an den Ökolandbau extrem gestiegen. „Verbraucher und Handel haben sehr hohe Anforderungen an die Produktqualität. Eine Ökomöhre muss heute besser sein als eine konventionelle Möhre: sie muss mindestens so gut aussehen, besser schmecken und einen sehr hohen Ertrag bringen, und dann muss sie selbstverständlich umweltfreundlich produziert worden sein – das gleicht einer Quadratur des Kreises.“ sind sich die Erwerbsgartenbauberater der Bingenheimer Saatgut AG, Klaus Kopp und Jörg Schlösser einig. Will ein Anbauer auf eine Hybridsorte verzichten, kann es sein, dass die „samenfeste Alternativsorte“ erst einmal agronomische Nachteile mit sich bringt: einen niedrigeren Ertrag oder ein längeres Erntefenster, eine geringere Einheitlichkeit oder eine fehlende Resistenz. Die Vorzüge der samenfesten Sorten (Prozessqualität von Anfang an, Unabhängigkeit von der Saatgutindustrie….) sollten Handel und Verbraucher motivieren, durch entsprechende Nachfrage und mitunter auch durch einen höheren Preis ihren Beitrag an der Verbreitung samenfester Sorten zu leisten.

Die Entwicklung eines eigenständigen Saatgutbereiches, der den Prinzipien des Ökolandbaus konsequent folgt, wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen. Realistisch ist diese Vision nur, wenn die Naturkostbranche bereit ist, an dieser Vision mitzuarbeiten und jeden kleinen Schritt in diese Richtung unterstützt.



Der nächste Schritt – eine konsequent ökologische Züchtung

Wer sich für samenfeste Sorten entscheidet, hat den ersten Schritt getan. Aber es genügt nicht, alte samenfeste Sorten vor dem Verschwinden zu bewahren. Sie müssen weiterentwickelt werden, den sich ändernden Umweltbedingungen und auch den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen angepasst werden.


Dieser Aufgabe hat sich eine Gruppe von biodynamischen Gärtnern verschrieben. Die Kultursaat-ZüchterInnen entwickeln neue, samenfeste Sorten. Die Züchtung findet auf dem Feld und im Gewächshaus statt, unter biodynamischen Bedingungen. Auf der Grundlage einer wesensgemäßen Pflanzenzüchtung sind so bereits über 40 neue Sorten mit besonderen Qualitäten entstanden.



Eine weitere Züchtungsinitiative, die eng mit dem Verein Kultursaat e. V. zusammenarbeitet, hat sich in Norddeutschland gegründet. Der Verein Saat:gut e. V. verfolgt ebenfalls das Ziel der Entwicklung samenfester Sorten für den Ökolandbau, nämlich auf organisch-biologischer Grundlage und hat mit den Kulturen Blumenkohl und Brokkoli begonnen.


Die Bingenheimer Saatgut AG ist in beiden Vereinen Mitglied.


Aktiv gegen Agrogentechnik

Der zunehmende Einsatz von gentechnischen Verfahren in der Pflanzen- (und Tier-) Züchtung sowie die Gefahren, die von dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ausgehen, stellen für alle Beteiligten in der Biobranche eine große Herausforderung dar. Die Bingenheimer Saatgut AG ist Mitbegründerin der „Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG-Saatgut)“. Die Interessengemeinschaft bündelt das politische Engagement ökologischer Saatguterzeuger, Züchter und Erhaltungsinitiativen, initiiert Projekte und ist eine Plattform zum Wissenstransfer für ihre Mitglieder.

Mehr Informationen unter http://www.gentechnikfreie-saat.de.

Unter Federführung der „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“ und dem Projektbüro „Save our Seeds“ wurde erneut die Aktion „Bantam Mais" durchgeführt. Diese samenfeste Zuckermaissorte ermöglicht HausgärtnerInnen einen Einstieg in die Themen Saatgutvermehrung, Gemüseproduktion und verdeutlicht die Gefährdung durch gentechnisch veränderte Sorten.

Mehr Informationen unter http://www.bantam-mais.de.


Patente

Eng mit den Fragen zur Agrogentechnik verknüpft sind die Themen „Patente auf Leben“ (Tiere und Pflanzen) und die Revisionen der europäischen Saatgut- und Sortenrechte. Denn in jedem Falle geht es auch um die Frage: wem gehören die Sorten? Im Juni 2011 drehte ein Filmteam der ARD Serie Plusminus zum Thema Bio-Patente einen Beitrag in Bingenheim. Kameramann, Tontechniker und Redakteurin waren über das Patentvergabeverfahren in Europa entsetzt. Gerne stellten die Bingenheimer Saatgut AG und der Verein Kultursaat sich als „Kulisse“ zur Verfügung, um zu zeigen, dass eine Alternative möglich ist. Während der Gesetzgeber erlaubt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen patentiert werden dürfen, ist dies theoretisch bei Sorten, die ohne gentechnische Verfahren gezüchtet werden nicht möglich. Theoretisch… Praktisch steigt die Anzahl der Patentanträge für konventionell (ohne Gentechnik) gezüchtete Pflanzensorten und Nutztierrassen und die daraus gewonnenen Produkte(!).


Revision des europäischen Saatgutrechtes

Ard-Sendung Plusminus beim Dreh in BingenheimNach unserem derzeitigen Kenntnisstand der laufenden Überarbeitung (Revision) des EU–Saatgutrechtes (und im Anschluss daran des Sortenrechtes) ist zu befürchten, dass es zu einer weiteren Verschärfung der derzeitigen Bestimmungen kommt. Dies würde die noch vorhandenen Freiräume für Landwirte und konzernunabhängige Züchter weiter einschränken. Wesentliche Vorschläge zu den neuen Gesetzesvorgaben würden nach unserer Einschätzung die Anmeldung neuer samenfester, insbesondere ökologisch gezüchteter Sorten erschweren oder gar unmöglich machen. Mögliche Folgen: noch schnellere Verringerung der Sortenvielzahl in Europa, und dadurch Einschränkung von Sortenwahl und Agrobiodiversität. Dagegen wehren wir uns in Brüssel. Im Rahmen einer Befragung der Saatgutbranche sowie in weiteren Gesprächen konnten wir ein alternatives Modell vorschlagen. Es nimmt einen der Vorschläge der Kommission zu stärkerer Flexibilisierung auf und sichert ein adäquates Prüfungsverfahren bei der Zulassung von samenfesten Sorten sowie die Möglichkeit des freien Austausches von Saatgut im Rahmen der Erhaltungsinitiativen. Ende Mai wurde dieses Modell im Rahmen einer Konferenz der Grünenfraktion im EU-Parlament vorgestellt. „Die Abgeordneten interessierten sich sehr für unseren Vorschlag. Die äußerst komplizierte Rechtslage macht es den Abgeordneten nicht leicht, zu einer Bewertung zu kommen. Erschwert wird ihnen eine objektive Meinungsbildung zudem durch die einseitige Interessensvertretung der Saatgutlobby. Die Anliegen der Ökozüchtung wurden bisher nicht berücksichtigt“, so Gebhard Rossmanith nach der Veranstaltung. Entgegen allen Patentierungsanstrengungen der konventionellen Konzerne sind wir der Überzeugung, dass das Grundrecht auf Nahrung auf nachbaufähigen Sorten basieren muss.

 


 

Saatgutproduktion

 
Zur Zeit produzieren ca. 100 Betriebe biologisch-dynamisches und ökologisches Saatgut was durch die Bingenheimer Saatgut AG vertrieben wird. Die Vermehrer treffen sich zweimal im Jahr um Erfahrungen in der Saatgutvermehrung und Fragen der Zusammenarbeit zu besprechen. Die meisten Vermehrer haben Aktien der Bingenheimer Saatgut AG gezeichnet und unterstreichen damit Ihre Verbundenheit mit der Firma. Die Bingenheimer Saatgut AG versteht sich als Dienstleisterin für die gemeinsame Idee von Vermehrer und Züchter. Die Beteiligten wollen ein breites Angebot an ökologischem Saatgut bereitstellen und die Züchtung sowie den Vertrieb biologisch-dynamischer Sorten fördern.

 


 

Saatgutaufbereitung

 
Die Saatgutaufbereitung und -behandlung bildet zusammen mit dem Saatguteinkauf und der Saatgutdiagnostik den Bereich „Produktion“ der Bingenheimer Saatgut AG. Durch unsere regelmäßigen Schnittstellengespräche gewährleisten wir einen optimalen Zusammenklang der verschiedenen Arbeitsschritte vom Rohsaatgut bis zum geprüften Verkaufssaatgut.

Nach einer intensiven Planungsphase haben wir in der zurückliegenden Aufbereitungssaison unser Bauvorhaben zur Errichtung eines ökologischen Niedrigenergie- Hallenneubaus umgesetzt. Die Fertigstellung erfolgte im Sommer 2008, und die anstehende Aufbereitungssaison, die ab September begonnen hat, werden wir nun erstmals im neuen Gebäudekomplex durchführen. Die Technik wurde aus dem Altgebäude übernommen, allerdings mit Modifikationen an fast allen Maschinengestellen.

Komplett neu sind die Arbeitsbühnen der Maschinenstraßen mit zwei Strängen. Modernisiert haben wir die Saatguttrocknung, die uns eine verbesserte Arbeitseffizienz und eine schonendere Trocknung ermöglicht. Eine neue Kalibriermaschine, eine Absack- sowie Bigbag Umfüllstation und weitere technische Neuerungen bringen Arbeitserleichterung und Zeiteinsparung bei den Arbeitsabläufen sowie Entzerrung der Arbeitsspitzen in der Reinigungssaison. Unsere Arbeitsfläche hat sich mehr als verdreifacht und die neue Aspirations-Filteranlage trägt zu einem gesunden Raumklima bei. Das geschlossene System der Filteranlage führt die von Stäuben und Kleinteilen befreite Luft wieder gereinigt in die Halle zurück, sauberer als die Außenluft!
Der Gebäudekomplex ist aufgeteilt in den Vorraum, die Aufbereitungshalle sowie den Kommissionier- und Versandbereich. Zum Vorraum gehören Arbeitsräume für Warmwasserbehandlung sowie Saatguttrocknung. Angegliedert ist ein Kühlraum mit einem Hochlagerregalsystem. In diesem Kühlraum werden die aufbereiteten Saatgutpartien gelagert und bei einer Temperatur von < 15 °C sowie einer Luftfeuchte von < 45/50 % geführt, um Qualitätsverluste sowie Schädlingsbefall bei der Lagerhaltung auszuschließen.

Da wir bereits mit einem Qualitätsmanagementsystem arbeiten, haben wir den Neubau natürlich in dieses System integriert. Wir setzen im Gesamtbetrieb die Arbeitsanweisungen aus unserem Qualitätshandbuch um. Die bestmögliche Saatgutqualität zu erreichen ist unser Ziel und der Bereich Saatgutaufbereitung hat dabei eine Schlüsselfunktion.
In der Warenannahme werden die Warenbegleitpapiere kontrolliert und die erste sinnliche Qualitätsprüfung (z. B. Feuchtigkeit und Verunreinigungsgrad) durchgeführt. Nach erfolgter Kennzeichnungsprüfung nach der EG-Bio-Verordnung und Einbuchung in unser EDV-System kann das Saatgut die verschiedenen Aufbereitungsstufen durchlaufen. Für Großpartien stehen entsprechend dimensionierte Maschinen bereit, wie z.B. Dreschmaschine, Bürstenmaschine, Grundreinigungsmaschine, Bandausleser, Trieur, Tischausleser, Kalibriermaschine, Fotozellenausleser sowie die Umfüll- und Absackstation für Großgebinde. Für kleinere Partien steht eine zweite Aufbereitungsstraße mit entsprechend dimensionierten Maschinen zur Verfügung. Zudem ist auch Platz für Handarbeit mit diversen Sieben und weiteren Hilfsmitteln.

In der Aufbereitungshalle arbeiten wir bei Großpartien mit einem Container-System für Saatgut, das von der Warenannahme bis zur Saatgutabsackung benutzt werden kann. Es ist eine große Arbeitserleichterung da wir die Container, Trocknungskisten sowie Euro-Paletten mit gereinigtem/ungereinigtem Saatgut bzw. Sackware komplett mit einem Elektro-Gabelstapler beschicken und bewegen können und zwar in allen Bereichen der Aufbereitung und Behandlung.

Je nach Art, Sorte und Saatgutbeschaffenheit der einzelnen Partien wird gedroschen, gerieben, gereinigt, gesiebt, warmwasserbehandelt und kalibriert. Die Rückstellprobe wird in der Saatgutdiagnostik untersucht. Werden bei den Unter-suchungen signifikante Befallszahlen von samenübertragbaren Krankheiten festgestellt, so werden in der Saatgutdiagnostik verschiedene Probebehandlungen durchgeführt. Hiernach richtet sich dann die Warmwasserbehandlung welche im Anschluss an der gesamten Partie durchgeführt wird. Danach wird schonend (< 30 °C) in der Saatguttrocknung zurückgetrocknet und erneut untersucht. In der Saatgutaufbereitung arbeiten von September-Februar in Teilzeit Franz Gauder sowie in Vollzeit Dirk Gärtner. Weiterhin würden wir uns in der Zeit von September bis Februar über einen PraktikantenIn freuen.

in der Saatgut-Reinigungshalle
Franz Gauder und Dirk Gärtner in der Saatgut-Reinigungshalle

 


 

Saatgutabfüllung


Wurde das Saatgut durch unsere hausinterne Saatgutdiagnostik zur Abfüllung freigegeben, steht es der Abteilung Abfüllung zur Verfügung. Die etwa 360 Artikel werden – je nach Wunsch des Kunden – in bis zu 15 verschiedenen Abfülleinheiten von 1g bis 50 kg verpackt. Entsprechend den Verkaufszahlen der letzten 3 Jahre wird der durchschnittliche Bedarf je Verpackungseinheit errechnet. Daraus ergibt sich dann in Abhängigkeit von dem verfügbaren Saatgut, den Herkünften und natürlich der Arbeitsauslastung eine detaillierte Abfüllplanung. Für jede Partie (unterschiedliche Herkunft) wird ein separater Abfüllauftrag erstellt. Durch das interne Barcode-System, das die Partienummern codiert, ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von der Saatguterzeugung bis zum Kunden gewährleistet. Wenn das Saatgut aus unserem klimatisierten Vorratsraum zur Abfüllung bereitgestellt wurde, erfolgt die Abfüllung entweder von Hand, mit einer halb- oder mit der vollautomatischen Abfüllanlage.
Bei der Handabfüllung arbeiten wir eng mit der Gärtnerei der Lebensgemeinschaft Bingenheim zusammen. Hier arbeiten Menschen mit Behinderung, die zum Beispiel Tüten bestempeln, Etiketten kleben oder die Handabfüllung durchführen. Eine Vielzahl großkörniger Saaten sowie die Klotzbeutel können aus technischen Gründen nicht mit der vollautomatischen Abfüllmaschine abgefüllt werden. Mehr als die Hälfte der gesamten Abfüllung wird von Hand abgefüllt, da braucht es viele fleißige Hände die wiegen, löffeln und kleben. Mit einer halbautomatischen Abfüllmaschine werden großkörnige Saaten wie Spinat oder Bohnen effizient abgefüllt. Wenn mehr als ca. 300 Tüten je Partie abgefüllt werden, wird dies schneller und kostengünstiger mit der vollautomatischen Abfüllmaschine erledigt. Insbesondere bei Sorten, die in Portionstüten über den Naturkosthandel vertrieben werden, erreichen wir diese Stückzahl regelmäßig. Auch umfangreiche Sonderabfüllungen für give-away- Aktionen können so in kurzer Zeit durchgeführt werden.