Hinter den Kulissen – diesmal: Die Saatgutaufbereitung

Von Kaffeetassen bis 40-Tonnern

In unserer Saatgutaufbereitung wird das Saatgut hier in Bingenheim angeliefert, oft sogar vom Vermehrer persönlich. Die Kollegen der Abteilung (v. l. Moncef Borki, Reinhard Ramme, Dominic Lux) nehmen die Ware an und starten mit einer ersten Qualitätskontrolle, dafür wird die Feuchtigkeit gemessen und die Sauberkeit eingeschätzt. Jede angelieferte Charge wird als neue Partie angelegt. Ab diesem Moment ist die Partie im Betrieb für alle Abteilungen ersichtlich. Dies zieht sich durch den gesamten Prozess (Lagerung, Abfüllung sowie Verkauf) und ist nach dem Versand auch für Sie sichtbar und nachvollziehbar (probieren Sie es hier aus). Partien können dabei so klein sein das sie in eine Kaffeetasse passen, beispielsweise wiegen 20.000 Korn Tomatensamen nur ca. 40 g, manchmal kommen aber auch 40-Tonner voll mit Kresse an. Anschließend wird die Priorität für die einzelne Partie eingestuft. „Welche Sorte muss zuerst gereinigt werden, weil das Lager fast leer ist? Oder steht die Kresse in den Bigbags im Weg?“

Von Kresse bis Paprika

Ist die Partie im System eingegeben und die Priorität festgelegt, beginnt der handfeste Teil. Je nach Grad der Verunreinigung und der Art des Saatguts wird es gedroschen, gesiebt, gebürstet, durch den Steigsichter oder den Fotozellenausleser geschickt. Durch diese unterschiedlichen, rein mechanischen Reinigungsmethoden werden „schädliche Verunreinigungen“ wie Unkrautsamen und „nicht schädliche Verunreinigungen“ wie Steinchen, Hülsenreste und Erde entfernt. Auch wenn grundlegende Vorgehensweisen für die einzelnen Kulturen beschrieben sind, muss die Feinjustierung zu jeder Partie angepasst werden. Welche Siebkombination und Reihenfolge der Maschinen ist die Beste und wie wird die höchste Qualität erzielt. Die Hauptsaison beginnt Mitte August mit Anlieferung der ersten Kresse und endet etwa Ende November mit den Paprikasaaten.

Von 21 Tagen bis 8 Wochen

Sind die Kollegen mit dem Ergebnis der Reinigung zufrieden, wird eine Probe an die Abteilung Saatgutdiagnostik weitergegeben. Dort werden unter anderem die Reinheit und die Pflanzengesundheit untersucht. Ist die Analyse abgeschlossen und fällt positiv aus, wird das Saatgut in die Lagergefäße abgefüllt und eingelagert. Wird die Partie beanstandet, wird sie ein zweites Mal gereinigt oder bei einem signifikanten Befall mit pathogenen Schaderregern einer Warm-Wasser-Behandlung unterzogen. Anschließend analysiert die Diagnostik wieder eine neue Probe. Dieser Loop setzt sich fort bis die Partie unseren hohen Qualitätsansprüchen entspricht und eingelagert werden kann. Einige Kulturen werden für den professionellen Anbau noch weiter verarbeitet, beispielsweise kalibriert, pilliert oder geprimt. Von Anlieferung bis zur Einlagerung können so von 21 Tagen bis zu 8 Wochen vergehen.

Von der Routine des Unvorhersehbaren

Das Besondere an unserer Saatgutaufbereitung ist das enge Miteinander mit unseren Vermehrern, welches sich von der Vermehrungsplanung unseres Einkaufs bis hier und weiter durch den ganzen Betrieb zieht. Besonders schätzten die Kollegen die Unvorhersehbarkeit, beeinflusst durch Witterung und die Vielzahl an unterschiedlichsten Saaten: „Dies führt zu der Routine, dass es keine Routine gibt, es fordert unsere Kreativität Dinge anders zu machen als nach einem Standardschema.“