Hinter den Kulissen

der Fachbereich Züchtung

Säen und Prüfen

Mit der Vielfalt unseres Angebots wachsen auch die Aufgaben. Dies trifft auch auf den Fachbereich Züchtung zu, der im vergangenen Jahr zu einer eigenständigen Abteilung ausgebaut wurde. Die fünf Kolleginnen Sarah Brumlop, Christine Nagel, Maria Vöhringer, Janine Zibi und Manuela Meining stellen sicher, dass aus den Samen, die unsere Kund_innen aussäen, auch die gewünschten Sorten wachsen. Der Aufwand dafür ist beträchtlich: Von vielen Saatgut-Lieferungen unserer Vermehrer_innen werden je Partie 50 Pflanzen angebaut und einer Echtheitsprüfung unterzogen. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie dabei vom Team unseres Versuchsanbaus.

Zu den Aufgaben im Fachbereich Züchtung zählt auch die Verwaltung des Elitesaatguts. Bei der Elitesaatguterzeugung, werden die besten Pflanzen einer Sorte ausgewählt um daraus Saatgut zu gewinnen. Dies ist nötig, da Sorten sich im Laufe der Zeit verändern und zur Bewahrung ihrer speziellen Eigenschaften durch Erhaltungszüchtung gepflegt werden müssen. Diese Aufgabe liegt bei den Mitgliedern von Kultursaat e. V.; die Kolleginnen aus dem Fachbereich Züchtung koordinieren und begleiten diese Arbeit. Das Elitesaatgut stellt dann die Basis für die großen Vermehrungsbestände dar.

Team Fachbereich Züchtung

Züchten und Forschen

Bild

Echte Pionierarbeit leistet unser Fachbereich in Ergänzung zur Arbeit des Vereins Kultursaat in der Neuzüchtung. In groß angelegten Züchtungsversuchen sollen für den ökologischen Landbau geeignete, samenfeste Sorten entstehen, die zum Beispiel widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten sind, besser mit dem Klimawandel zurechtkommen oder vom Markt bevorzugte Formen bilden. Zugleich leistet das Team Methodenforschung, da man in der Ökologischen Pflanzenzüchtung selten einfach nach Lehrbuch vorgehen kann. Viele der konventionellen Züchtungsmethoden sind für die Ökozüchtung nicht oder nur bedingt geeignet und Ökozüchter_innen sind daher beständig auch mit Fragen der Methodenentwicklung befasst.

Bevor eine neue Sorte ins Sortiment aufgenommen und vermarktet werden darf, braucht sie die Zulassung vom Bundessortenamt. Dies ist ein langwieriges und kostenintensives Verfahren, da die Sorte zunächst in einem 2-jährigen Prüfanbau ihre Eigenschaften bestätigen muss.

Trotzdem erlauben wir anschließend jedem, unsere Sorten zu nutzen und nachzubauen, denn wir sehen Sorten als Kulturgut, dessen Nutzung nicht durch Eigentumsrechte eingeschränkt werden soll. Diese Perspektive teilen nur wenige mit uns – die meisten Saatgutunternehmen und -konzerne lassen sich ihre Sorten schützen.

Recherchieren und Unterstützen

Ein weiteres umfassendes Aufgabenfeld sind fachliche und politische Recherchen. Immer wieder gibt es fachliche Anfragen von Züchter_innen, für deren Beantwortung es spezieller Expertise und Zeit für intensives Nachlesen bedarf. Außerdem leistet der Fachbereich Züchtung einen wichtigen Beitrag zur Arbeit der IG Saatgut. Mit Hilfe dieser Interessensgemeinschaft vertritt die Bingenheimer Saatgut AG das wichtige Anliegen, Gentechnik in der Pflanzenzüchtung weiterhin streng zu kontrollieren und das bestehende Gentechnikgesetz für neue Methoden wie die Genschere nicht aufzuweichen. Denn eine Deregulierung würde den gesamten Ökolandbau bedrohen. Und auch die Wahlfreiheit, sich weiterhin gentechnikfrei ernähren zu können.

Bild