Hinter den Kulissen:

Die maschinelle Abfüllung

Wiegen und Zählen

Eine Maschine kommt normalerweise immer dann für die Abfüllung zum Einsatz, wenn mindestens 1.000 Tüten einer Sorte abgefüllt werden sollen. Ist eine kleinere Stückzahl gefragt, wird das Saatgut meistens manuell abgefüllt, da die Einrichtung und Kalibrierung der Maschine (Rüstzeit) im Verhältnis zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Insgesamt stehen uns jetzt vier Maschinen für die automatische Abfüllung zur Verfügung. Je nach Saatgut, Maschine und Tütengröße erfolgt die Befüllung entweder über eine mit Fotozellensensor ausgestattete Kornzähl-Einheit oder mittels Volumendosierung, bei der ein definiertes Volumen mit Saaten vorgefüllt und dann abgeschüttet wird. Sollen Samenkörner abgezählt werden, bewegt sich dies in einem Bereich von 3 bis maximal 44 Korn pro Tüte. Größere Mengen werden immer mittels Volumen abgefüllt, da das Zählen zu lange dauern würde. Für jedes Saatgut muss die Maschine individuell eingestellt und programmiert werden. Damit in einem Tütchen nie etwas fehlt, wird eine Überfüllung von 5% der vorgesehenen Menge eingestellt. Ist die Voreinstellung gemacht, kann es losgehen: Die Maschine nimmt eine Tüte aus dem Magazin, öffnet und füllt sie nach Vorgabe. Anschließend druckt sie partiespezifische Daten wie Partienummer, QR-Code und bei manchen Sorten den Pflanzenpass auf die Tütenlasche, trägt Leim auf, falzt die Tütenlasche und presst sie zusammen, damit sie geschlossen bleibt.

 

Arbeiten ander Maschine

Kontrollieren und Korrigieren

Eine der Absüllmaschienen

 

Die ersten etwa 20 bis 50 maschinell befüllten Tütchen werden genauestens auf ihren Inhalt und korrekte Schließung überprüft, bis alles passt. Außerdem werden alle Daten, die mittels angebautem Druckkopf aufgedruckt werden, auf Korrektheit kontrolliert. Erst wenn alles stimmt, kann der Abfüllauftrag durchlaufen. Und auch hier werden immer wieder Stichproben gezogen, denn je nach Art des Saatguts kann z. B. der Durchlauf verstopfen, so dass Tüten nicht oder nicht vollständig gefüllt werden. Ein Beispiel ist etwa die Bienenweide. Dieser Mischung enthält verschiedene Saaten unterschiedlicher Ausprägung, so dass sie manchmal verkanten oder sich ineinander verhaken und den Durchfluss blockieren. Sobald dies auffällt, muss reagiert werden, denn es ist immer aufwändig, falsch abgefüllte Saatguttütchen wieder zu öffnen, um das Saatgut für eine korrekte Abfüllung zurückzugewinnen. Dass eine Maschine durchschnittlich ca. 40 bis 60 Tüten pro Minute abfüllen kann, ist daher nur eine theoretische Zahl, denn in der Praxis sorgen Unterbrechungen oft für einen geringeren Ausstoß.

Töne und Rhythmen

Kein Anlass für eine Unterbrechung ist der leichte Knall, der immer mal wieder beim Abfüllen von Bohnen zu hören ist: Fällt eine Bohne zu langsam, wird sie von der Dosiereinheit geteilt. Da aber ohnehin einige Bohnen mehr als nötig in die Tüte gefüllt werden, kann die Abfüllung weiterlaufen. Dass die Maschinen bei ihrer Arbeit ständig für einen gewissen Geräuschpegel sorgen, versteht sich von selbst. Tschk-tsch-ta-tang-dan tschk-tsch-ta-tang-dan – so ähnlich hört sich der Rhythmus einer Maschine an, mit der die Tüten befüllt werden. Eine andere Maschine, so sagte ein Kollege, gebe zwischendurch ein Geräusch von sich, das ihn an den AC/DC-Hit „TNT“ erinnern würde. Wer hier arbeitet, kennt aber nicht nur die typischen Abfolgen der mechanischen und pneumatischen Klänge, sondern hört auch sofort, wenn irgendwo mal etwas klemmt oder vielleicht sogar eine Feder reißt. Dann heißt es: Maschine anhalten, nachsehen und die Störung beheben. Wirklich ruhig wird es hier in der Hauptsaison aber nur in den Pausen oder nach Feierabend, denn übers Jahr werden hier mittlerweile mehr als 3 Millionen Tüten abgefüllt.