Energieeffizienter Anbau im Winter – Empfehlung für geschützte Anbauflächen

Baby-Leaf-Salate und Gemüse in kleinerem Snacksize-Format bieten die Möglichkeit, im kalten oder frostfreien Anbau Blattgemüse, Wurzelgemüse  und Salate zu erzeugen. Sie können das Sortiment um frisches Grün in der dunklen Jahreszeit erweitern und eine Ergänzung zu Feldsalat, Postelein und Radiesanbau im Winter bieten. Sie lassen sich direkt säen, vorziehen und pflanzen oder gar als Topfware anziehen.

Wintergemüse erfolgreich anzubauen hängt von vielen Faktoren ab (Marktlage, Zeitraum, Licht und Wärmeverhältnisse, Boden, Unkraut- und Krankheitsdruck, Technik etc.).

Wer sich auf die intensive Nutzung seiner geschützten Flächen in der Nachsaison einlässt und dabei vom einseitigen und oft ungewissen Anbau der bisher üblichen Kulturen abzurücken bereit ist, kann mit der richtigen Portion Experimentierfreude einen vielfältigen und spannenden neuen Anbau im Winter entwickeln. Dazu sind zahlreiche Bücher erschienen, allen voran von Eliot Coleman und Wolfgang Palme.

Nicht jeder hat die Möglichkeiten, sich umfassend in das Thema einzulesen. Wir wollen mit dieser Beschreibung konkrete Anbaubeispiele geben und grundsätzliche Details darstellen, die einen möglichst einfachen Einstieg in den Anbau und die Vermarktung von energieeffizient angebauten Baby-Leaf-Salaten und Snacksize-Wintergemüsen aus regionaler und saisonaler Produktion bieten.

Die dargestellten Arten und die Anbauhinweise dazu sind als eine Anregung zu sehen, um mit dem Anbau zu beginnen und über die Jahre durch gesammelte Erfahrungen auszubauen. Über Anregungen aus Ihrer Praxis freuen wir uns sehr und entwickeln die Vorschläge gerne weiter!

Grundsätzliche gärtnerische Aspekte der Kulturführung im Winter (geschützter Anbau):

  • Vor dem Anbau: Direktsaatflächen auswählen, zwischen dem Abräumen der Kultur und der Aussaat etwas Zeit (3-4 Wochen) einplanen. Falsches Saatbeet mit Vlies, Abflammen vor der Saat und im Vorauflauf werden notwendig sein, um möglichst wenige Beikräuter in der Kultur zu haben.
  • Alternativ oder ergänzend Voranzucht planen, hier gilt als grobe Faustregel: Was bis 15. Oktober gepflanzt ist, kann bis Weihnachten das erste Mal geerntet werden!
  • Mehrfache Ernte: Reihenabstand mindestens 15 cm fürs Hacken nach der Ernte, das Hacken mit einplanen.
  • Kulturführung: So trocken wie möglich (Lüften, Ventilation), so feucht wie nötig (vor der Saat gießen, später besser Tropfschläuche statt Überkopfberegnung)
  • Grundsätzlich: So viel gießen wie nötig, so selten wie möglich.
  • Ziel sollte sein, möglichst keine Heizenergie zu investieren. Wer sein Haus trotzdem frostfrei heizen muss, sollte Lüftungsführung und Heizkurve so einstellen, dass ein möglichst trockenes und dem wenigen Licht angemessenes Klima entsteht. Durch Temperatur den Ertrag erhöhen zu wollen, bringt in der Zeit von etwa Mitte November bis Mitte Februar nichts, da die Lichtstunden unter 10 pro Tag fallen und die meisten Pflanzen ihr Wachstum einstellen. Zu warm bedeutet schnell zu weiches Blattgewebe und starker Pilzdruck.
  • Bei Frost kann eine zusätzliche Vliesbedeckung (17g/m² ausreichend, am besten mit Tunnelstangen) erfolgen und das Wachstum anregen. Dieses leichte Vlies bietet guten Frostschutz, wenn es durch Tau und Verdunstung feucht wird und friert. Dabei lässt es morgens mehr Licht durch und trocknet schnell. Ein starkes Wintervlies kann zusätzlich bei starkem Frost (unter -10°C im Haus) eingesetzt werden.
  • Erntetechnik und Aufbereitung planen (Arbeitskräfte und Zeit, waschen und mischen, Verpackung und Präsentation).

Fast alle Blattgemüse und Wurzelgemüse sind frosthart. Dabei ist nicht die tiefste Temperatur entscheidend, sondern die Geschwindigkeit des Temperaturabfalles. Daher die Kulturen bei stärkeren Kahlfrösten immer abdecken, um die Qualität zu schützen.

Baby-Leaf-Salate

Sortenauswahl und Anbau:

Die beste Akzeptanz beim Kunden haben Baby-Leaf-Mischungen mit unterschiedlichen Farben, Formen und Geschmäckern. Dabei können die Anteile durchaus schwanken – wir empfehlen einen sortenreinen Anbau (unterschiedliche Wuchsgeschwindigkeit) und das Mischen nach der Ernte.

Ausnahmen sind erprobte Mischungen wie das Pikante Asia Quartett (G727) oder eine Auswahl der Lactucasalate wie hier im Onlineshop vorgeschlagen. Als beliebt haben sich Mischungen aus mindestens 5 Mischungspartnern herausgestellt.

 

Relevante Pflanzengruppen:

  • Blattsenfgewächse (Brassica – Arten) und verwandte Kreuzblütler (Asia-Salate)
  • Salate (Lactuca – Arten): hier Eichblatt und Bataviasalat-Typen mit offenem Wuchs
  • Gänsefußgewächse: Rote Bete, Mangold und Spinat
  • Andere: Hirschhornwegerich, Speisechrysanthemen, Feldsalat, Winterportulak (Postelein)

Asia-Salat Baby-Leaf

Während Spinate und Salate das Wachstum im Dezember und Januar fast einstellen (Tageslängen unter 10 h), wachsen Asia-Salate fast durchgängig weiter. Dies gilt auch für die anderen Blattsenfgewächse und Kreuzblütler (vor allem Brassica juncea Arten).

Folgende Übersicht stellt Gruppen dar, die terminlich gemeinsam gesät und geerntet werden können. Wir empfehlen den sortenreinen Anbau in Einzelreihen, Mischanbau ist aber nicht ausgeschlossen (auf gleiches Wachstum achten):

Hier finden sie unsere Anbauempfehlungen für die Baby-Leaf Kultur

Baby-Leaf-Salate leben von der Frische und dem mangelnden Angebot an saisonalem Grün im Winter. Dementsprechend und aufgrund ihrer zarten Beschaffenheit sollten sie früh geerntet und flott nachbereitet werden. Einige Gärtner_innen waschen und mischen sie locker in großen Wassertonnen, andere haben sich einfache Waschtrommeln gebaut. Ausschlaggebend ist ein guter Schutz nach der Ernte in großen Beuteln als Einleger in der Kiste. Alternativ können sie auch in gutes Papier eingeschlagen werden ähnlich Chicoréeknollen.

Sie lagern knapp über dem Gefrierpunkt (3-5°C) einige Tage und sollten so schnell wie möglich zum Kunden gelangen.

Snacksize-Wintergemüse und Blattgemüse zur Ganzpflanzenernte

Snacksize-Gemüse bezeichnen übliche Sommergemüse, die in der Nachsaison kultiviert werden und dabei ihre übliche Erntegrößen nicht oder nur teilweise erreichen.
Im Gegensatz zum üblichen Anbau gemäß den gängigen Empfehlungen in der Literatur, lassen sich einige Arten auch verspätet in den Winter hinein anbauen. Hier soll nur Gemüse für den geschützten Kalthausanbau ohne Heizung empfohlen sein.

In der Regel können die zu pflanzenden Gemüse ab Anfang August gesät und draußen in Multitopfplatten vorgezogen werden. Ein frühzeitiges Räumen der Sommerkulturen sollte in Erwägung gezogen werden – oft bringt es unterm Strich mehr Ertrag, eine gute Nachfolgekultur anzubauen, als auf die allerletzte Paprika oder Tomate im Oktober zu warten (z.B. um 10. Oktober räumen, bearbeiten und pflanzen bis 15. Oktober).

Folgende Tabelle gibt grundsätzlich geeignete Sorten wieder, die sich bereits in ihrer Wintereignung bewährt haben:

Anbautebelle Wintergemüse im Kalthaus.

Wintergemüse